Made Over
Orlando fällt einem Unbekannten auf - Teil 4 der Serie “Manmade” …
Kapitel 1
“Osterhase? Hört sich furchterregend an. Ein diebischer, ein Meter achtzig großer Hase.Komm schon David, du machst Witze, das kann nicht dein Ernst sein.”
“Nope, kein Witz, aber du kannst darauf wetten, dass kein Kind sich das ausgedacht hat.Obwohl Schoko-Eier ganz nett sind.” David lächelte Orlando an, der schon seit etlichen Minuten eine Geleebohne nach der anderen in den Mund stopfte.
Orlando und David waren seit sechs Monaten zusammen und schliefen seit zwei Monaten miteinander. Orlando konnte sich noch immer nicht an die Tatsache gewöhnen, dass David es liebte, ihn überall zu lecken und zu küssen. Es schien ihm manchmal, dass ihm noch immer ein gewisser, wenn auch schwacher Geruch anhaftete, der mit seiner Herkunft zusammenhing.David schwor, dass dem nicht so war.
Er sollte es wissen. David war aus dem gleichen Material gemacht wie Orli. Teile und Stückeund Genstränge… Er fragte sich immer noch, ob es noch mehr gab. Sicherlich hatte Dr.Franks es nicht bei zweien belassen. Er fragte sich, ob es vielleicht im Labor einen Neuen gab, der just in diesen Tagen den wohlhabenden Geldgebern vorgeführt wurde.
Ein merkwürdiges Gefühl hatte ihn beschlichen an diesem Tag im Lebensmittelladen, als ein Mann, der nur ein paar Jahre älter war als er, ihn angestarrt hatte. Er hatte die vielen Pakete Geleebohnen bezahlt, die er zu brauchen schien um seine neueste Sucht zu befriedigen. Dieser Mann hatte gestarrt, als ob er ihn kannte.
Orlando hatte David gegenüber nichts erwähnt, hatte es wirklich vergessen, bis jetzt.
“David, sind wir die einzigen?”
David sah ihn eine Minute lang an, dann sah er weg und schwieg sehr lange. Schließlich sah er Orlando wieder an.
“Nein, das sind wir nicht.”
“Aber wo sind sie?”
“Hier und dort…”
“Ich glaube ich sah neulich einen.”
David sah ihn scharf an “Wie kommst du darauf?”
“Weil er mich ansah so wie….du mich angesehen hast, als wir uns zum ersten mal trafen.”
“So als ob er versuchte dich dazu zu bringen, von einer Brücke herunterzuklettern?” David lächelte gequält.
“Nein, so als ob er wüsste was ich bin.”
“Orlando, vielleicht dachte er nur du….vielleicht fühlte er sich zu dir hingezogen.”
“Nein, ich kenne diesen Blick. Es war Neugier. Er sah auch gut aus, hatte fast schwarzes Haar, blaue Augen und einen Blick der einen Zug zum Stehen bringen könnte.”
David starrte ihn nur an und sagte lange Zeit gar nichts. Schließlich meinte er: “Craig, du hast Craig gesehen.”
“Wer ist er?”
“Er war es, der mich gefunden hat und mich lehrte, wie man in der Welt zurechtkommt.Als ich eines Tages von der Arbeit nach Hause kam war er weg und ich habe nie wieder etwas von ihm gehört. Ich dachte sie hätten ihn gefunden und…” Er beendete den Satz nicht.
“David, was tun sie wenn sie uns finden?”
“Ich bin nicht sicher. Ich habe immer angenommen, dass sie die `Fehlerhaften´ zerstören.”
Orlando starrte David für eine Sekunde hart an. “Hast du ein Bild von ihm?”
David ging zu seinem Schrank und holte eine kleine Holzkiste herunter, die er stets verschlossen hielt und öffnete sie mit einem Schlüssel aus seiner Tasche. Er nahm ein zerknicktes Schwarzweißfoto heraus und reichte es Orlando.
“Das ist Craig.”
“D-David, das ist der Mann, der mich angestarrt hat.
David setzte sich auf das Bett. “Er kann nicht am Leben sein, wenn er es wäre würde er zu mir kommen.”
**
Der junge Mann lief ziellos durch die Straßen. Sie wirkten irgendwie vertraut, doch er dachte nicht, dass er schon einmal hier war. Er wusste, dass er vielleicht verfolgt wurde, aber es kümmerte ihn nicht.Das Leben im Labor war mehr als er ertragen konnte. Er sah auf die Narben an den Innenseiten seiner Handgelenke. Er hatte sie solange er sich erinnern konnte. Er wünschte nur, er könnte sich erinnern wo sie herkamen.
**
“Sah er gut aus?”
“Ja…David, war er für dich mehr als…” Orlando drehte sich weg, unfähig David anzusehen.
“Wir hatten etwas miteinander, waren aber nie wirklich verliebt. Er war mein Freund. Ich habe ihn vermisst als er fort war.” Er sah zu Orlando auf und lächelte. “Nun, *dich* liebe ich!” Er breitete seine Arme aus und die Gedanken um Craig, waren für den Rest des Abends vergessen.
Aber Craig war wieder im Mittelpunkt ihrer Gedanken, als sie sich am Morgen fertig machtenum zur Arbeit zu gehen.
“Orlando, wenn ich ihn finde, kann ich ihn mit herbringen, bis wir herausfinden was mit ihm zu tun ist?”
Orlando hätte gerne nein gesagt, aber er wusste das konnte er nicht, wusste er könnte niemals jemandem die Tür weisen, der so war wie er… Ausserdem, wenn er David geholfen hatte, schuldete auch Orlando ihm alles.
“Sicher kannst du das. Wenn er dein Freund ist, werde ich ihn willkommenheißen.”
**
Er sah den gutaussehenden Jungen aus dem Laden wieder. Er hatte etwas an sich, das Erinnerungen weckte an…was? Der Junge kam auf ihn zu.
“Hallo, ich bin Orlando. Ich habe dich wiedererkannt, von neulich. Wie geht es dir?”
“Oh, mir geht´s gut, und d-dir?”
Dieser Junge war nett. Der Mann fragte sich, was er wollte.
“Ich bin o.k….Ich hatte dich bis neulich noch nie bemerkt, bist du neu in der Stadt?”
“Ich bin…was willst du eigentlich?” Ein Ausdruck von Wachsamkeit schlich sich in das Gesicht des Mannes.
“Ich weiß es”, sagte Orlando vorsichtig.
“Du weißt es?” Furcht verdunkelte seine Augen.
“Ja, ich weiß es. Ich kann es riechen.” Und das konnte er. Er konnte noch immer den Geruch des Instituts riechen. “Ich war auch dort, weißt du.”
Blaue Augen weiteten sich. Er drehte sich um und ging davon. Orlando folgte ihm nicht.Er wusste, er würde ihn wiedersehen.
Tage vergingen, bevor Orlando Craig wiedersah. Er war wieder in dem Lebensmittelladen und wartete, dass Orlando auftauchte. Er sah den widerspenstigen Haarschopf zur Vordertür hereinkommen. Er wusste, wohin es den Jungen ziehen würde und das war der Ort wo er wartete, bei den Geleebohnen.
“Hallo nochmal…”, Machte Craig einen Vorstoß.
Das rasche warme Lächeln ließ ihn sich besser fühlen. “Ach, du wieder. Magst du Geleebohnen, oder bist du gekommen um mich zu sehen?”
“Du sagst, du weißt wo ich herkomme.” Er hielt Orlando seine Handgelenke entgegen und zeigte ihm die Schnitte. “Weißt du, wo ich die herhabe?”
Orlando kannte die Verzweiflung darüber, zu sein was er war, kannte die Hoffnungslosigkeit, etwas geringeres als ein Mensch zu sein. Und er wusste in diesem Augenblick etwas, das David ihm zu sagen versucht hatte, seit der Nacht ihrer ersten Begegnung.Er war menschlich, seit jenem Tag als er das Institut und Dr. Franks verlassen hatte.
Er legte seine Hände über die hässlichen Narben und sagte, “Ich habe eine Idee. Ich komme vom gleichen Ort wie du. Würdest du gerne zu mir zum Essen kommen? Es ist warm dort.Da ist immer ein Feuer in dem kleinen Kamin.”
“Warm?” Diese Augen leuchteten auf, ein wenig von der Verwirrung und Furcht verschwand aus ihnen. “Dein Haus ist warm?”
“Ja.”
“Lebst du alleine?”
“Ich habe einen Mitbewohner, David, du wirst ihn mögen. Er ist ein netter Kerl.”
So gingen sie zum Haus. David war überrascht und versuchte sehr, das nicht zu zeigen.Orlando konnte große Besorgnis erkennen als er Craig ansah.
“Das ist David”, sagte Orlando, als der Blich des Neuankömmlings ihn durchbohrte.”Ich glaube nicht, dass du mir je deinen Namen verraten hast.”
“Ich habe keinen…die haben nie…” Sein Gesicht errötete vor Scham. Schließlich flüsterte er,”Ich habe keinen Namen.”
David trat zurück und bat sie in das warme, gemütliche Haus. Er bat Craig und Orlando auf das Sofa und kochte Kaffee. Er sah Craig immer noch an, als ob er ein Geist wäre.
“Erinnerst du dich an irgendetwas vor dem Institut?”
“Nein…beinahe, aber es will nicht kommen. Wie diese hier.” Er hielt David seine Handgelenke entgegen. “Ich erinnere mich fast, aber nicht ganz.” David schnappte nach Luftob der offensichtlichen Zeichen eines Selbstmordversuches. “Und du, warum kann ich mich beinahe an dich erinnern?”
David nahm das zerschlissene Foto aus seiner Tasche und reichte es ihm.
“Dein Name ist Craig und du warst mein bester Freund, nachdem ich aus dem Institut entkommen war. Du hast mir gezeigt, wie man in der realen Welt leben kann und dann, eines Tages, warst du fort. Ich habe mir immer gesagt, dass du weitergezogen bist aber….Ich denke, du bist zurückgegangen. Ich weiß nicht, ob sie dich gefangen haben, aber ich vermute das haben sie. Es spielt keine Rolle mehr. Du bist hier mit Orlando und mir und wir werden uns um dich kümmern.”
Ee legte eine Hand über Craigs Hand und Orlando legte seine Hand über Davids.
“Mein Name ist Craig”, sagte der Mann und lächelte. Ein süsses Lächeln dass den Raum erhellte.”
The End

