Making Changes
Dinge ändern sich - Teil 5 der Serie “Manmade”

Kapitel 1
Über ein Jahr war es nun schon her seit sie sich das erste mal trafen. Ein langes Jahr in dem Orlando ein Mensch wurde und die Liebe seines Lebens fand. David. David war genau wie er ein produzierter Mann. Hergestellt aus irgendwelchen Teilen die mit menschlichem, genetischem Material gemischt wurden. Er war nicht gewöhnlich zur Welt gebracht worden. Er wurde zum Leben erweckt. Erst die Liebe zu David hat ihn zu einem Menschen gemacht.

Er sah zu dem süßen dunkel-haarigen Mann der ihm schräg gegenüber saß.
Er war seit sechs Monaten bei den beiden. Er wollte nur ein paar Tage bleiben. Dann war er plötzlich für Wochen verschwunden, um dann eines Morgens ängstlich und hungrig wieder vor der Tür zu stehen. Manchmal wenn er von sehr schlimmen Panikattacken geplackt wurde nahmen sie ihn mit in ihr kleines, kuscheliges Bett, damit er zwischen ihnen schlafen konnte. Craig liebte offensichtlich das Gefühl beschützt zu werden. Mehr nicht. Scheinbar.
Orlando war sich nicht sicher was er von seinen Gefühlen halten sollte. Er konnte sich nicht vorstellen David irgendwie teilen zu müssen. Sicher war nur das er alles für ihn tun würde. Egal was. Er bräuchte nur zu fragen. Schließlich war David sein Retter. Sein Geliebter.
“Craig wo warst du? Du weißt doch das wir dich gern hier haben. Du musst nicht weggehen.”
“Ich kann mich nicht mehr so richtig daran erinnern wo ich war.” Er lächelte entschuldigend.

Orlando dachte: “Was auch immer Craigs Trauma und seine Ängste ausgelöst hat, es wird wohl dauerhafte Schäden hinterlassen.” Er seufzte innerlich
Craig war nach hause gekommen als David bereits zur Arbeit gegangen war.Beide arbeiteten im Schichtdienst in einem Restaurant. Sodass sie nur die Zeit von Mitternacht bis 7 Uhr morgens miteinander verbringen konnten. Dann musste Orlando zur Frühschicht die meist erst um 15 Uhr endete. Danach war David bis Mitternacht dran.
“Komm geh baden. Ich mach dir was zu essen.”
Orlando ließ warmes Wasser in die Badewanne und holte einige von diesen alten, kuscheligen Handtüchern für den niedlichen jungen Mann.
Wie immer haftete der Geruch des Todes an ihm wenn er zurück kam. Ein Geruch den Orlando immer mir Doktor Franks in Verbindung brachte.
“Bleibst du? David bleibt immer.”
Orlando wusste dass das die Wahrheit war. Aber einen anderen Mann nackt zusehen machte ihn immer sehr nervös. Er half Craig dabei seine schmutzigen Sachen aus zuziehen. Orlando bemerkte das es nicht dieselben waren die er trug als er verschwand. Er kaute auf seiner Unterlippe und sah Craig an. Sein Körper war übersäht mit Wunden. Mehr als David oder er zusammen hatten. Einige waren ganz frisch, sie leuchteten in diesem scheußlichen rot das neue Wunden nun mal haben. Abstoßend. Trotzdem streckte Orlando die Hand aus um eine lange, dunkelrot schimmernde Wunde an Craigs Rücken zu streicheln.
“Armer Schatz” flüsterte er.
Craig ließ sich unterdessen mit einem lächeln in das warme Wasser sinken.
Orlando schüttete sich Duschgel in seine Handflächen und begann es mit ruhigen und sanften Bewegungen auf Craigs Rücken und seinen Schultern zu verteilen. Ein lächeln huschte über Orlandos Gesicht. Er könnte spüren wie alle Anspannung von Craig abfiel. Orlando war überrascht von all diesen Wunden. Er badete Craig ganz zärtlich. So als wäre er ein kleines Kind. Als er die letzte Stelle dieses wunderschönen, golden schimmernden Körpers kam, reichte er Craig den Waschlappen. “Das musst du schon selbst machen mein Bester, aber ich werde dir die Haare waschen.” Als Craig aus der Wanne stieg reichte Orlando ihm ein Handtuch. Er fühlte wie ihm die Röte ins Gesicht stieg.
Orlando ging in die Küche um dort auf Craig zu warten. Er machte ihm ein Sandwich und Suppe. Orlando dachte in diesem Moment daran das Craig sehr erschöpft sein musste. Er ging zum Kleiderschrank und holte seine Bettdecke und das Kissen. Er drehte sich um als Craig seine Ärmel hoch schob.
“Orlando darf ich bei dir schlafen?”
Orlando wurde bei dem Gedanken nervös. Er sollte ihn mitnehmen obwohl David nicht dabei war? Aber sie waren beide müde, also nickte er.
Orlando kritzelte noch schnell eine Notiz für David. Dann gingen sie ins Bett.
Im halbdunkel des Schlafzimmers begann Craig zu erzählen.
“Orlando? Als du an diesem Ort warst, haben sie dich dort auch gezwungen Dinge, schreckliche Dinge zu tun? Mit Frauen und Männern die du nicht kanntest?”
“Ja” Orlando war nicht in der Lage mehr dazu zu sagen.
Er hatte Mühe damit auch nur an diese Zeit zu denken. Als er wenig menschlich war.
“Haben sie dir viele Spritzen gegeben?”
“Ja.”
“Du und David hat er… habt ihr ‘das’ getan?”
Craig lag ganz nah bei Orlando, rutschte noch ein bisschen näher und legte seinen Kopf auf Orlandos Schulter.
“Ja” flüsterte er.
“Hat er dir weh getan?”
Orlando hob seinen Kopf und schaute Craig tief in die Augen. Er konnte den Schmerz sehen der darin der sich darin spiegelte. Ihm wurde bewusst das Craig sich an viel mehr erinnerte als er zugab.
“Nein Craig, er hat mir nicht weh getan, er liebt mich!”
“Liebst du mich auch?”
“Ja wir beide lieben dich”
“Willst du das ich das auch mache?” Craigs Blick war verzweifelt und ängstlich.
“Hab keine Angst, weder David noch ich werden dich dazu zwingen etwas zu tun was du nicht willst!”
“Wenn ich dich frage ob du mich küsst, würdest du es dann tun?”
Orlando war überrumpelt von Craigs Frage. Aber offensichtlich war Küssen für die Forschungsarbeit nicht erforderlich gewesen. Somit war es nicht von dieser Angst verdorben.
Orlando schaute in blaue, erwartungsvolle Augen. Er zog Craig in seine Arme und liebkoste zärtliche seine Lippen. Er spürte Craigs Erregung an seiner Hüfte. Orlando wusste nicht was er tun sollte, deshalb hielt er Craig einfach nur fest.
In dieser Nacht sagte Craig nichts mehr. Er hatte sich wie eine kleine Katze an Orlando gekuschelt und schlief.
Orlando sah ihn an. Er war nicht in der Lage zu schlafen, geschweige denn sich zu bewegen.

David weckte die beiden als er sich leise neben sie in das Bett legte.
Craig lächelte verschlafen.
“ich bin nach Hause gekommen David. Orlando hat mich gebadet und mich in den Armen gehalten bis ich eingeschlafen bin.”
“Ich sehe es. Ich sehe auch das du in einem schlechten Zustand bist.”
Er legte seinen Arm um Craig und sie ruhten sich eine weile aus.
In ein paar Stunden mussten sie wieder aufstehen um das Frühstück zu machen und um noch etwas Zeit miteinander zu verbringen bevor Orlando wieder zur Arbeit musste. Den völlig erschöpften Craig ließen sie schlafen.
“Sie haben ihn gezwungen Sex mit irgendwelchen Leuten zu haben.”
Orlando fand nicht die passenden Worte um seine Empörung und seine Angst auszudrücken. Er hatte es allein Davids Liebenswürdigkeit zu verdanken das ihm dieses Schicksal erspart geblieben war.
“Er hat neue Schnittwunden und auch neue Einstichstellen.”
“Ich habe es gesehen.”
“Warum ist er nur zurück gegangen?”
Orlando würde lieber sterben als dahin zurück zu gehen.
“Die ersten… Wurden mit einer Art “Heimkehr-Modus” programmiert. Ähnlich wie Brieftauben. Unglücklicherweise neigen sie auch dazu sich selbst zu zerstören. Das erklärt warum er so viele Wunden hat. Vielleicht wissen sie es besser… vielleicht sind wir gar nicht berechtigt zu leben, vielleicht sollen wir gar nicht am Leben bleiben, vielleicht sind wir Abschaum.”
David hörte auf das Rührei umzugraben und starrte nun Orlando an.
“Wir sind Menschen. Wir haben wohl als irgendwas anderes gelebt, aber wir sind jetzt Menschen. Jedenfalls menschlicher als die, die uns geschaffen haben!” Er nickte in Richtung des Zimmers in dem Craig schlief “und ihn.”
“Sind wir das?” Orlandos Augen wurden traurig. “Sind wir das wirklich?”
“Ja wir sind das was wir eines Tages sein sollten! Männer, geschaffen aus Genmaterial anderer Männer für eine neue, intakte Welt.”
“Es klingt nicht ganz so entsetzlich wenn man es auf diese Weise betrachtet….”
“Nicht alle sind so wie Doktor Franks! Die meisten wollen einfach nur Forschungsarbeit leisten und sind nicht im geringsten daran interessiert Gott zu spielen!”
Orlando schüttelte seinen Kopf. Er hatte die schlimmsten von ihnen kennen gelernt bevor er David traf. Bevor sie in die normale Welt von normalen Leuten geflüchtet waren. Keine konnte einen Unterschied bemerken. Orlando liebte dieses Leben. Und er liebte David.
**
Die Wochen verstrichen und Craig schien es besser zu gehen. Er würde wieder der werden den sie kannten.
Auch Orlando ging es gut. Zum ersten mal in seinem kurzen Leben fühlte er sich geborgen und beschützt. Er hatte damit aufgehört sich ständig umzudrehen wenn er das Haus verließ.
An diesem Nachmittag war er allein zu Hause als es an die Tür klopfte. Er ging hin um zu sehen wer da war. Zum ersten mal seit über einem Jahr war er in der Lage so etwas zu tun.
Vor der Tür stand eine junge Frau die ihm ein Foto unter die Nase hielt.
“Haben Sie diesen Mann gesehen? Er ist mein Bruder. Er ist geistig Behindert und wahrscheinlich deshalb von zu Hause weggelaufen. Wir können ihn einfach nicht finden….”
Der Mann auf dem Foto war Craig…
*
Am nächsten Tag kam die Frau noch einmal zu dem Haus. Doch diesmal war sie nicht allein. Bei ihr war ihr Aufseher.
Das Haus war leer. Er sah so aus als ob dort für schon für einige Zeit niemand mehr gelebt hätte.
“Ich habe ihnen doch gesagt das sie geflohen sind! Aber sie werden nicht für immer weglaufen können!”
Die junge Frau sah den Mann in dem weißen Jackett an.
“Nein das können sie sicher nicht Doktor Franks.”
Aber tief in ihrem Herzen hoffte sie inständig das sie es doch konnten.

The End

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